Von Slipknot über Wacken zum Trinkhorn 03.10.2013 - von Roman Kurtz

Ach ja, wir trven Metaller, eine aussterbende Rasse? Bullshit!

Aber von Vorne, wir alle können uns an den Wendepunkt unseres Musikkonsums erinnern. Sei es die erste Scheibe von Metallica aus Vaters Schrank, oder das erste Open Air bei welchem im Vormittagsprogramm die unbekannte Heavy Kappelle von Nebenan für Kopfschütteln (im positiven Sinne) sorgte. Als bei mir dieser Wendepunkt (mit dem hören von HammerFall) erreicht war, hatte ich das Glück, dass es das Internet schon gab. (Ob das wirklich Glück war oder ich doch lieber ein paar Jährchen vor dem Internet erlebt hätte, kann ich so nicht sagen) Ich stell also an diesem Punkt gleich einmal klar, dass der Text auf meinen Erfahrungen basiert, wie es in der „Szene“ abging, bevor ich dazu kam, kann und will ich nicht beurteilen.

Also HammerFall war gehört, ein Song ja. Im Internet suchte ich mehr von HammerFall und kam dann schnell drauf, bei dem Sound handelt es sich anscheinend um Metal. Richtig um Metal, nicht Power-, True-, Heavy-, Thrash-, Black-, Death-, Nu-, Arschloch hoch 18-Metal, sondern schlicht um Metal. Die Recherche im Netz geht weiter, ich stosse auf „Metal“ Bands wie Celtic Frost. Ich nutze mein Kombinationstalent und denke mir, HammerFall = Metal, Celtic Frost = Metal, muss sich also ähnlich anhören. Höre mir ein Song von Celtic Frost an und VORBEI, das ist doch kein Metal, klingt ja total anders als HammerFall. Also weiter gesucht, und schliesslich mit den groben Unterschieden von Heavy, Black und Thrash Metal vertraut gemacht.

So gings halt los, ich beschäftigte mich immer länger und intensiver mit dem Thema und so kommt man an gewissen Leuten nicht vorbei und es geht ganz automatisch. Ich hatte kaum Ahnung von der „Tiefgründigen Thematik“ des Metals, wurde aber immer freundlich belehrt und Bands wurden empfohlen. So stehe ich nun da mit nötigem „Fachwissen“ über die Metalbereiche die mich (bis jetzt) interessieren und immer bereit neues kennen zu lernen. (Thematik Nu Metal ist wieder ganz was anderes, wird vielleicht in einem anderen Text mal behandelt) Konzerte gehören zum Alltag und Festivals sind Sommer-Pflichtprogramm, Kutte darf nicht fehlen, ist klar. Bin ich jetzt true? Natürlich ja, wer was anderes behauptet oder Slipknot hört wird enthauptet. So kommen wir dem Titel wieder etwas näher, der Begriff “Slipknot” ist gefallen, der Text ist sofort scheisse, leave the hall, scheiss Text! Erm… Nicht!

Ich kann mit meinen 19 Jahren und grad mal gut 3 Jahren „Szene-Erfahrung“ nur sagen, dass ich vor nicht all zu langer Zeit, kurzhaarig mit Wacken T-Shirt und Trinkhorn rumlatschte und deswegen nicht als Poser oder Hobbymetaller beschimpft wurde, sondern von und mit Kollegen lernte. Mein Trinkhorn hängt zu Hause, da es an Konzerten nur nervt und ich auch nicht mehr so viele Pagankonzerte besuche und dass bei einem Edguy oder Annihilator Gig ein Trinkhorn so gut passt wie ein Telefonanruf beim Sex, ist mir mittlerweile auch bekannt.

Kommt heute aber ein 15-Jähriger mit Slipknot T-Shirt und Trinkhorn an, wird er massiv ausgelacht und als Poser verflucht. Wäre mir das damals passiert, wäre ich von der „toleranten“ Metalszene mit dem Zusammengehörigkeitsgefühl weit aus weniger überzeugt und würde mich Heute wohl kaum dazuzählen. Es fällt einem ja verdammt noch mal kein Patch von der Kutte wenn man das eben beschriebene Individuum mal begrüsst und es dezent nach seinen Lieblingsbands oder dem letzten Konzert fragt. Nun kommen die Antworten: „Equilibrium, Finntroll und Eluveitie“, sowie „Das letzte Konzert war das Paganfest im letzten Jahr, wäre aber mega gern mal beim Wacken dabei“. Ich find die drei Bands nach wie vor gut und Wacken immer noch genial, ich kenne und besuche auch viele andere Festivals und ziehe ein Konzert von Total Annihilation den 3 oben genannten Bands sofort vor. Aber woher zur Hölle sollte ein 15-Jähriger andere Festivals und Bands kennen wenn die ältere Fraktion der Szene, welche sich ach so true schätzt, ihn nur auslacht und demütigt. Zurück zu mir, da ich mich von allen am liebsten mag, ich fluch ja auch oft über nervende, ahnungslose Kiddies. Ich mach auch gerne Slipknot oder Korn fertig und belustige mich über Leute mit Greenfield-Armbändchen. Das ist dann auch nicht wirklich ernst gemeint, wenn mein Gegenüber das versteht und man sich dennoch unterhalten kann, hat er immerhin Verständnis für Ironie und Sarkasmus bewiesen. Wenn ich mit 100 Kiddies ein Bier saufen geh und auch nur einer dabei ist, den ich im nächsten Jahr beim Back to Rock Festival oder bei einem Total Annihilation Gig wieder sehe, hat sich die Unterhaltung mit 99 Proleten schon gelohnt, den ohne gesunden Nachwuchs wäre die Szene schon tot.

Da unser Penis nun mal nicht als USB-Stick dient, wir nicht einfach ne erfahrene Metalbraut flachlegen und somit ihr Wissen über Metal, Bands und Festivals kopieren können, müssen wir es uns auf die alte, Zeitaufwändige Weise beibringen. (Wobei das Flachlegen einer Metalbraut nie verkehrt ist, auch wenn wir danach weder das Gründungsjahr von Black Sabbath noch das Erscheinungsjahr von Master of Puppets kennen.) Dazu gehört der Austausch mit anderen Anhängern der Heavy Szene, aber wenn ich als unerfahrener Hörer von den offensichtlichen Szeneanhängern nur dumm angemacht werde, hab ich auch gar keinen Bock drauf mehr darüber zu erfahren, ergo hör ich nachher Hip Hop oder Radio DRS 1. Was ist der Nutzen für die Szene aus diesem Szenario? Ein Kiddie weniger oder ein zukünftiger Metaller fürs Leben von eben dieser Berufung abgeschreckt? So erinnern wir uns an unsere Anfangszeit, als wir für jeden Tipp dankbar waren, nun geben wir die Tipps und diese bewirken mehr als ein „Scheiss Poser“.

Fazit: Ich bin true, Kutte ist true, und Festivalbändchen sind true. Slipknot, Korn, Trinkhörner und Wacken sind Whimps!

Ich lese den text noch einmal und korrigiere das Fazit: Nur ich bin True!

Von Slipknot über Wacken zum Trinkhorn von R. Kurtz

(2009)