Versengold - Zeitlos 03.08.2015 - von Simi Dörig

Mit Zeitlos schlagen Versengold mal ein paar ernstere Saiten an, ob so viel Veränderung gut oder schlecht ist, erfährt man schon nach dem ersten durchhören.

Meine Lieblings Folk Jungs haben sich Anfang Jahr Verstärkung geholt, mit zwei neuen Mitgliedern sollte Zeitlos, wie schon auf der Folknächte Tour angekündigt, eine verhältnismässig ernstere Plate werden. Snorre hat uns erklärt, das diverse Ereignisse die letzten Jahre, ich zum Nachdenken gebracht haben, weiter will ich hier auch nicht darauf eingehen.

Schon kam dann das erste, je von Versengold produzierte Musikvideo „Hoch die Krüge“, heraus und wurde dann in Fankreisen auch sofort heiss diskutiert:
„Hammer Geil!“ „Erinnert irgendwie an Schandmaul“ „Ich freue mich so auf das neue Album“ „Musste die Banderweiterung wirklich sein?“
Ich finde eine Band hat das Recht sich Musikalische weiter zu entwickeln, was Versengold ja auch wollen! Ich keine Band die sich auf dem ersten Album anhört wie auf dem Fünften, ausser Motörhead, aber Lemmy darf das.

Wenn man sich jetzt mal von Hoerensagen zu Auf in den Wind durchhört, hat sich da ja auch einiges getan in der Band, bei Zeitlos fällt es jetzt halt vor allem mit dem riesen Schritt der neuen Mitglieder, bzw. ihrer Instrumente auf.
Schon allein das Cover von Zeitlos hebt sich mit dem vielen Schwarz ziemlich von den vorigen ab, auch die Sonne und der Mond ein einem Gesicht vereint, passt gut zum Album, da der ersten Tracks eher fröhlich, die letzteren mehr traurig ausgefallen sind.
Des weiteren ist das Booklet wiedermal grossartig und liebevoll gestaltet, vor allem das Vorwort zum Album drückt einiges über die Gedanken der Band aus. Wenn ihr Wissen wollt was da steht, kauft euch das Album.
Ich habe mir nebenbei gleich noch die, auf 500 Stück limitierte Sammlerbox geleistet, bei der die Band auch einiges an Zeit hinein gesteckt haben dürfte, vor allem da jede Postkarte der Band und auf Wunsch auch das Album, von Hand unterschrieben wurden. So manch einer hat danach ein bisschen auf Facebook über ein schmerzendes Handgelenk geklagt, aber sowas darf man auch bei den Zahlen.

Jetzt aber zu den Liedern selber:

  1. Zeitlos
    Das Lied zum Album, fängt fröhlich an. Man hört sofort das neue Schlagzeug und den Bass heraus aber wisst ihr was? Es passt und ist grossartig, man fühlt sich bei diesem Lied im hier und jetzt, Versengold bleiben hier, trotz dem kleinen Stil Wandel, treu mit Unabhängig- und Heiterkeit wieder willen.
    Was zählt ist die Sonne von heute!

2. Ihr seid Musik
Zum ersten mal auf den Folk Nächten aufgeführt, war die Masse bei dem Lied am beben… zurecht!
So etwas fühlt man auf den meisten Konzerten, ich muss gestehen vor allem bei VG und dem Knaster-Ableger sind wir doch, egal woher und warum, alle in einem Konzert vereint.
Mittlerweile gibt es ein Studio Video auch schon auf YouTube und mit diesem Lied bedanken sich Versengold bei all ihren Fans, denn ohne uns wären sie nichts! Und unsere Welt ohne sie ziemlich trostlos.

  1. Kein Trinklied
    Der erste Ohrenwurm, den ich vom neuen Album in den Kopf bekommen habe, die Melodie springt einem auf den ersten Takten an, ein tolles Trinklied… aber bei mehrmaligen durchspielen hört man mehr heraus.
    Snorre’s Lebensflasche ist sein Dasein, Anfangs übersprudelnd, mittendurch Wandelbar und anders und zum Ende ist seine Buddel leer… Doch was er uns im Refrain lehrt ist, geniesst das Leben in vollen Zügen und macht das Beste daraus.
    Egal ob man es jetzt als Trinklied oder Lebensmoral nimmt, von der Musik her ein geniales Lied!

4. Frühlingsgruss
Ein eher trauriges Lied, schön von Snorre gesungen und melodisch gespielt. Der Text bringt einem wirklich zum Nachdenken und Versengold hat schon immer verstanden, ein bis zwei schöne Balladen auf ihren Alben einzubringen.
Auch die Selbsterkenntnis am Ende hat doch etwas melancholisches, der Link zum Studiovideo ist im Liedernamen.

5. Hoch die Krüge
Das erste Musik Video der Band, energisch, gute Laune Musik und hat die Spannung bis zum fertigen Album eigentlich fast unerträglich gemacht.
Wurde von mir rauf und runter gehört und zeigt gut was Versengold mit der Bandverstärkung anzufangen weiss!
So Feier ich von dir beliebt, wann immer sich ein Grund ergibt
Und hat die Sorge mich im Bann, dann stimme ich ein Liedchen an
Und will die Schmermut mich besiegen, tanz ich dass die Beine fliegen
Und wiegt die Einsamkeit so schwer, dann wünsch ich mir die Schankmaid her
Und lässt die Schankmaid mich allein, so soll der Wein mein Liebchen sein!

  1. Wolken
    Hier wird der Verlust der Band verarbeitet, wer sich den Text ein paarmal durchhört, merkt man dass sie über ihren verstorbenen Kollegen singen was dieses Lied nur noch melancholischer, aber auch irgendwie schön macht.

  2. Die Schönheit der Schatten
    Ein wirklich schönes Lied, wie schon erwähnt haben Versengold ihre Balladen ziemlich im Griff doch diesmal legen sie noch eines drauf.
    Nach 3 ½ Minuten setzt die Stimme von Katja Moslehner (Faun) ein, übernimmt eine Strophe und der letzte Refrain im Duett, der fährt mir einfach nur kalt den Rücken herunter, mit dem Klang und der Melodie einfach nur genial gelungen.

  3. Luna's Reel
    Nach guter alter VG Manier ein Instrumentales Nachspiel zum letzten Lied, mit viel Geige und Bodhrán.
    Luna steht nebenbei für Mond oder die Mondgöttin im antiken Rom und Reel ein Lied mit schneller Melodie, meist bei schottischen Volkstänzen vorkommend.

  4. Spaß bei Saite
    Zur Aufheiterung wird es wieder fröhlicher, auch wenn das Musikerleben ja nicht immer ein Zuckerschlecken ist.
    In diesem Lied geht darum, das es aber mehr im Leben gibt als das Geld, nämlich Musik und Spass an dem was man macht, sowas kann uns Versengold gar nicht oft genug lehren!
    Wir sind vergnügungssüchtig, ständig breit und chronisch Pleite
    So kann es weitergehen also, jetzt mal Spaß bei Saite

  5. Der Rubel rollt...
    Es wird wieder Russisch, wer Im Namen des Folkes noch kennt, dem wird der Kopf abgeha… ehm* Kopft ihn!* durch den Schädel schiessen.
    Doch diesmal geht es um den guten alten Rubel, ein klein bisschen russisch klingt es zwar doch noch, aber das Hauptthema ist das liebe Geld und das man sich nicht zu viel Gedanken darüber machen soll.

  6. Schon immer mal
    Ein kleines, fröhliches Liebeslied von Snorre, was er schon immer mal wachen wollt, auch mit einer nicht näher genannten Person.
    Frisch gespielt und super gesungen.

  7. Sol's Reel
    Das Gegenstück zu Luna’s Reel, passend zum Album Cover.
    Sol steht nebenbei für Sonne oder den römischen Sonnengott.

  8. Die Namen von Millionen
    Ein Anti-Kriegs Lied wie ich bis jetzt kein anderes in so einem schönen Gewand gehört habe.
    Hier lohnt es sich dem melancholischen Text gut zu zuhören, Snorre hat schon recht mit dem was er singt und die Marschtrommeln im Hintergrund unterstreichen dies auch sehr gut im Song.
    Wir sind die Namen von Millionen, Die Träume von Milliarden
    Die Flaggen aller Weltnationen und alle Farben
    Ja und verdammt wir tragen Die Verantwortung in diesen Tagen
    Frieden ist die Antwort, auf ihre Fragen…

  9. Schlaflied
    Zum Abschluss noch ein Lied, von dem ich jetzt aber nicht weiss wo ich es einordnen soll.
    Die Strophen beschreiben eine traurige und trostlose Ödnis von einer Welt, der Refrain verspricht Ruhe und Frieden im Schlaf.
    Ein sehr zweigesichtiges Lied, wie auch schon das ganze Album und daher ein würdiger Abschluss, gute Nacht...

Fazit:
Mit Zeitlos haben die Jungs einen grossen (Flachwitz incoming) Saitensprung gewagt, der sich aber allemal gelohnt hat. Zwar ungewohnt Ernst, hat sich die Band auch zu dem entwickelt was sie jetzt sind und mit diesem Album den Versengold-Horizont um einen grossen Teil erweitert!
Für diesen abwechslungsreichen, traurigen, schönen, aufmunternden, fröhlichen und nachdenklichen Silberling gibt es von mir 8/10 Sonnen-Monde!
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