Out of Control Festival vom 11.12.2015 in Chur 13.12.2015 - von Knut van Knöterich

Das Out of Control Festival vom 11.12.2015 in Chur

Chur Kulturhaus, 11.12.2015, 19.30h: Ich könnte als Drinkshaker arbeiten so sehr zittere ich vor Kälte. Bereits jetzt schon stehen viele Leute vor dem Kulturhaus und zittern mit mir, allerdings nicht vor Kälte sondern vor Aufregung. Alle freuen sich auf einen Abend voller Metalcore und Deathcore im Kulturhaus in Chur.

Okay, ihr kennt mich alle: Kutte, Jeans und irgendein Bandshirt einer meiner Lieblingsbands, gestern war es Battalion. Ich gehe an Punkkonzerte, Metalkonzerte, Hundsverlocheten und geniesse die Metalkultur mit all ihren Facetten. Ich quatsche gerne mit anderen Metallern über Musik, vornehmlich über Heavy Metal. Und jetzt steh ich hier umringt von Leuten in Röhrenhosen, Baseballcaps und Flanellhemden: Metalcore, Deathcore, alles was mit Core zu tun hat. Ich rauche meine Zigarette und irgendwann stelle ich mir die Frage:

Was zur verdammten Hölle machst du hier?! Du kannst mit der Musik nichts anfangen, du kannst mit der Kultur nichts anfangen, du bist hier definitiv am falschen Platz! Du bist hier, weil du hier sein musst! Ultimativ gesagt: Es kotzte mich an!

Das war meine Einstellung zum Anfang des Abends, liebe Leserinnen und Leser. Beste Voraussetzungen, nicht?

Ich wurde eines Besseren belehrt. Keine Ironie und kein Sarkasmus in dieser Aussage meinerseits.

Auf dem Corespeiseplan standen Chase the Pancake, Kill the Unicorn, Atropas, Ghost Lights und My last Hour. Das Kulturhaus war voll, die Beleuchtung intakt und die PA aufgedreht.

Den Anfang machten Chase the Pancake, Lokalmatadore aus Chur. Es war interessant zu sehen, dass die Jungs und Mädels ohne Bassisten spielten, doch der Tontechniker brachte einen unglaublich heftigen Sound aus den Boxen. Chase the Pancake eröffneten den Abend mit einer krassen Performance des Schlagzeugers, sauberen Einsatz von Synthiesounds und einer hammergeilen Stimme ihrer Sängerin. Sie machten Stimmung im Saal und es war schön zu sehen, dass sich das Publikum von dieser Performance mitreissen liess. Es kam leichte Begeisterung in mir auf. Könnte ich mich irren was meine Erwartungen betrafen?

Kill the Unicorn gingen als Nächstes auf die Stage. Die Energie, die Chase the Pancake aufbauten, machte diese Truppe wieder zunichte. Sie brachten zwar gute Parts und Übergänge hin, der Sänger holte Alles aus seiner Stimme raus und die beiden Gitarristen shreddeten ziemlich gut über die Gitarrenhälse, doch das Schlagzeug brachte die Dynamik dank falschem Einsatz der Becken zum Erliegen und oftmals waren die Breakdowns dazu verdammt auf der Geschwindigkeit von Doom Metal rumzudümpeln, was sich zusätzlich negativ auf die Dynamik auswirkte.

Ich war fertig mit der Welt, ich wollte nach Hause. Doch ich hatte einen Auftrag und meine Aufträge erledige ich. Als Nächstes stand die Band Atropas auf der Timetable.

Holy Balls... Eine so präzis arbeitende, stimmungsmachende Melodic Thrash/Death Metalmaschine habe ich NICHT erwartet! Es passte einfach alles: Der Drummer spielte trotz ein, zwei kleinen Fehlern extrem präzise, der Sänger zeigte von weichen, cleanen Vocals bis zu kraftvollen Growls das gesamte Repertoire seiner Stimme, die Backup Vocals des Bassisten rotzten heftig und die Soli der beiden Gitarristen rundeten alles perfekt ab. Ich war sehr positiv überrascht!

Nach einer Zigarette im Gefrierschrank names Chur stiegen die Jungs von Ghost Lights in den Ring.

Atropas servierte, Ghost Lights kontinuierte! Mit üblen, tiefen Growls des Sängers, schweren, an KoRn erinnernde Riffs, jeder Menge abrupter Stops und Beatwechsel in den Songs und übermässig viel Power zerstörten sie viele Genicker im Kulturhaus. Eine wahnsinns Performance der ganzen Band, die das Publikum sowie auch ich zu schätzen wusste. Sehr sehr geil!

Den Abschluss machten My last Hour, die ebenfalls ohne Bassisten spielten. Die Growls des Sängers waren meiner Meinung nach qualitativ kein Vergleich zum Gesang des Backup Sängers. Die Songs erinnerten mich ein wenig an Emure gemischt mit Punk. Sie machten einen sauberen Job als letzte Band des Abends, ich würde sie aber lieber in einem anderen Genre sehen als im Core mit dem Backup Sänger als Hauptsänger.

Nach dem Konzert war ich fertig. Ich war seit halb 6 Uhr morgens auf den Beinen, wollte nur noch in mein Bett... Und bemerkte, dass ich noch einen weiten Heimweg hatte. Zuhause angekommen machte ich mir Gedanken über den Abend.

Die Organisation durch das Label Dark Wings war reibungslos, der Sound geil und die Leute hatten Spass und freuten sich über eine grosse Portion Core im Bündnerland: Auftrag erfüllt!

Es war und ist nicht meine Musik und Kultur. Ich ging mit einem Anschiss nach Chur. Ich wollte die Sache einfach nur über die Bühne bringen und fertig. Und im Nachhinein war ich positiv überrascht vom Out of Control Festival! Wäre ich nicht gegangen, hätte ich meine persönlichen Highlights in Form von Chase the Pancake, Atropas und Ghost Lights wahrscheinlich nie erlebt.

Und darum, liebe Core-Gemeinde: Du und ich werden wohl nie Freunde werden, dafür sind wir zu verschieden. Ich kann dich nicht verstehen und du kannst mich nicht verstehen, doch wir beide können dafür sorgen, dass wir unsere gegenseitigen Vorurteile begraben und aufeinander zugehen und uns sowie die Kultur des Anderen respektieren und wir eine schöne und gute Zeit miteinander haben... Genau das, was die ganze Welt um uns herum niemals schaffen wird.

Vielen Dank für diesen interessanten Abend, es war mir eine Freude!

Weitere Daten des Out of Control Festivals:

  1. Januar: Flon, St.Gallen
  2. Januar: Met-Bar, Lenzburg
  3. Januar: L'Usine, Genf
  4. März: Dynamo, Zürich
  5. März: Coq d'Or, Olten