Of Deers And Pilots - Otherside 15.07.2018 - von Julian

Frischer Wind für die Rockszene aus Worb...

Auf einer Geschäftsreise in die tiefen Weiten Deutschlands treffe ich ausgerechnet Simon, den Bassist der Worbener Rockband Of Deers And Pilots und wir verstehen uns auf Anhieb gut. Das liegt womöglich auch an unseren langen Haaren, die als offensichtlichste Gemeinsamkeit bereits allen anderen aufgefallen ist.Am 04.07. erscheint das Album «Otherside» seiner Band und ich erhalte ein Exemplar der Platte per Post.

Schon direkt nach dem Öffnen fällt eines auf: das schlichte Comic-Design des Albumcovers gefällt mir brutal gut. Nicht zuletzt, weil es mich an meine Jugend erinnert. Dazu passt das einfache, aber sehr hochwertige Digipack. Bands wie No use for a name kommen mir ins Gedächtnis, meine (Punk-)Rock Prägungen, meine Vorliebe für Grunge und Stoner Rock, all das assoziiere ich mit dem Cover. Und dementsprechend hoch sind meine Erwartungen an den Sound der Platte. Können Of Deers And Pilots an meine 90-er und frühe 2000-er Idole heranreichen?

Schon der erste Song beginnt mit einem typischen Riff, Powerchords, ein kleiner Leadfill und ein grooviger Drumsound dominieren von Anfang an. Cool! Auch die Stimme von Sänger Rafael erinnert an die Punklegenden der frühen 2000-er Jahre. Der Vergleich mit No Use For a Name kommt mir wieder und wieder in den Sinn. Ich bin echt gepackt. Spätestens als Lead Gitarrist Kevin ein mit viel Wah geschmücktes Solo hinbrettert werde ich endgültig positiv überrascht und in meine Jugendzeit hineingezogen.

Der Stil auf Otherside bleibt sich relativ treu, dennoch wird es auf Grund der vielen musikdynamischen Spielereien immer spannend. Kleine Variationen mit verschiedenen Tempi und variierenden Lead Riffs sorgen für Abwechslung und nicht zuletzt der wirklich grossartige gemischte Drumsound von Pascal sorgt für wippende Beine und einen ziemlichen Bewegungsdrang. Der Kick ist fett, der Bass von Simon fügt sich nahtlos und hervorragend ins Bild ein.

Mir persönlich fehlt allerdings stellenweise etwas der Biss, die Aggression und der «Dreck». Gerade auch, weil die Rhythmusgitarre aus meiner Sicht phasenweise etwas zu dünn in den Mix geraten ist. Auch Rafaels Stimme, die zwar technisch gut ist, klingt mir an einigen Stellen etwas zu dünn.

Fazit und Anspieltipps

«Otherside» ist wirklich eine gelungene Platte. Von Anfang bis Schluss hat man ein solides (Punk) Rock Album vor sich, dass sich mit Szenegrössen wie den beschriebenen No Use For A Name durchaus messen kann. Auch, wenn der Mix grösstenteils überdurchschnittlich umgesetzt wurde und vor Allem die Rhythmusfraktion (Drums und Bass) Benchmarks setzen, vermisst man als Fan von «dreckigem» Sound leider bei der Rhythmusgitarre den letzten Biss.

Gerade das Zusammenspiel von Lead- und Backgroundgesang bringt den Sound besonders zum Leben und ist als Meisterdisziplin hervorragend umgesetzt. Otherside ist ein wirklich herausstehendes erstes Album einer RockBand, die erst seit Oktober 2016 zusammenspielt. Ich vermute, dass mit zunehmender gemeinsamer Banderfahrung noch das Spitzenpotenzial, das tatsächlich vorhanden ist, abgerufen werden kann. Viel Erfolg! Meine Anspieltipps: «Prison of Water» und «Free». 7/10 Berner

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