Motörhead in Wetzikon am 27.06.2014 30.06.2014 - von Knut van Knöterich

"Thanks Lemmy, God of R'n'R. From 1945 'till eternity" Diese Worte waren auf ein weisses Leintuch geschrieben, das Fans am Motörhead Konzert auf die Bühne warfen. Stagehands hängten das Banner auf, sodass es alle lesen konnten. "Lemmy" Rufe gingen durch die Eishalle und wir alle wussten: Er ist nicht nur der God of Rock'n'Roll, er IST Rock'n'Roll!

Tatort: Wetzikon
Datum: Freitag, 27.6.2014
Uhrzeit: Irgendwann nach 21 Uhr

Die Vorband habe ich natürlicherweise höchst professionell verpasst, weil ich bis um halb sieben Uhr arbeiten musste, doch ich schaffte es überpünktlich für den Hauptact. Der Grund, warum die Eishalle in Wetzikon ausverkauft war. Der Grund, warum wir alle unsere Fäuste zum Himmel streckten. Der Grund, warum viele heutigen Bands so sind, wie sie sind. Ein älterer Herr mit Cowboyhut und Cowboystiefel kam auf die Bühne, stand vor das Mirkofon und sprach die geheiligten Worte:
"We are Motörhead! And we play Rock'n'Roll!"

Spätestens jetzt brennt bei so ziemlich jedem die Sicherung durch und lässt uns mitgröhlen, headbangen und Luftgitarre spielen. Auch nach bald 40 Jahren Bandgeschichte lässt Motörhead die Herzen seiner Fans höher schlagen.

Motörhead bringen einen Klassiker nach dem Anderen: Over the Top, Metropolis, The chase is better than the catch, Dr. Rock und natürlich auch Ace of Spades, den Lemmy leicht angepisst mit den Worten "Well, I think it's time for that one song" ankündigte. Vom aktuellen Album "Aftershock" wurde "Lost Woman Blues" gespielt, der für eine kurze Verschnaufpause sorgte. Als obgligatorischen Abschluss brachten sie den Dauerbrenner "Overkill" und liessen mich richtig hässlich geil headbangen, sodass ich am Samstag auf der Arbeit kaum meinen Kopf drehen konnte.

Nach gut eineinhalb Stunden war der Zauber vorbei. Ich schwitze, es ist höllisch warm in der Halle. Einige Fans sind ziemlich betrunken. Und doch haben alle Etwas gemeinsam: Jeder und jede geht mit einem grossen, breiten Grinsen aus der Eishalle und ist überglücklich, eine der besten Rockbands der Geschichte gesehen und erlebt zu haben.

Was mir auffiel war die Tatsache, dass Motörhead das Tempo der Songs stark drosselten, sicherlich aufgrund der Gesundheitsituation von Lemmy. Das gedrosselte Tempo störte aber überhaupt nicht und konnte an der Epicness der einzelnen Songs nicht rütteln. Die Soli von Phil Campbell und Mikkey Dee passten perfekt in die Setlist und die beiden Jungs zeigten unabhängig voneinander was sie alles auf dem Kasten haben. Lemmy für seinen Teil zeigte sich von seiner besten Seite. Man sieht ihm seine angeschlagene Gesundheit an, aber in seinen Augen brennt immernoch das Feuer, das ihn seit 1945 antreibt.

Das Konzert war bombastisch! Die Songauswahl war perfekt, die PA donnerte sauber abgemischten Sound aus den Boxen und die Bühnenshow reichte von Trockeneiswerfern über Strobolampen bis hin zur mit LED's bestückten Gitarre von Phil. Wer am Konzert war, der weiss wovon ich hier schreibe. Wer nicht anwesend war und Motörhead noch nie live gesehen hat, hat eine der grössten Rockbands der Welt verpasst und ich empfehle diesen Personen dieses Manko so schnell wie möglich zu begleichen. Authentischeren Rock findet man wahrscheinlich kaum.

Knut