Metusa - Dreckfresser 18.04.2016 - von Simi Dörig

Die frischfröhliche Bande von Metusa stehen für unterhaltsame Konzerte, kecke Texte und eine Menge Spass; doch das Spielmannsleben besteht nicht nur aus guten Seiten und teilweise muss man wirklich Dreck fressen.

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Zwei Jahre und viele Veränderungen ist es her, seit Metusa Zahn der Zeit herausgebracht haben.
Anja verliess die Band Ende 2013 und seit diesem Winter sind auch Katja und Frank „Odin“ weg; übrig bleibt nur noch das Grossmaul Domenicus der Saitenreiter aus den „Hey, wir machen eine Mittelalter-Band und verhunzen Medusa mit MeT“-Tagen und ihrem verflixten Ersten Mal.

Ich habe also das Album samt Horn kurz nach der Grenze abgeholt (Limited Editions geben beim Schweizer Zoll meist Ärger) und natürlich gleich bei der Heimfahrt ins Autoradio gehauen.
Die ersten zwei Songs waren ein Schock: Sind das wirklich noch Metusa?!
Ein paar Tage und ca. 20 CD-Durchläufe später habe ich mich daran gewöhnt. Klar, Zahn der Zeit war auch schon etwas seltsam zu Beginn. Doch Dominik hatte wiederum schon öfters geäussert, dass die Band sich halt verändert und macht, was sie will, und das ist auch genau richtig so!

Also an das Review gesetzt und das Booklet zu Rate gezogen! Schönes Cover, neuer Stil und noch mit den ehemaligen Bandmitgliedern auf dem Artwork (siehe oben), welche jetzt durch drei neue Spielleute ersetzt wurden. Anja wurde durch Verena und Alanna getauscht, jetzt zwei weg und drei Neue: die Bande vermehrt sich augenscheinlich! Doch zu den Gründen der Trennung von Odin und Katja will ich hier nicht viel sagen, dies könnt ihr persönlich auf deren FB-Seiten nachlesen, genauso wie ich mir über die „Neulinge“ keine Meinung bilde, da ich sie erst einmal in Fleisch und Blut kennenlernen möchte.
Wie gesagt, das Booklet aufgeschlagen und auf der ersten Seite liegt schon eine Zeitung auf dem Asphalt: „SKANDAL – Garagenband will Auftritt, trotzt fetter Sängerin!“…
Und ich hatte Angst, sie hätten ihren Humor verloren…

Dreckfresser
Gitarre eingesteckt, ein paar Störgeräusche und ab geht die wilde Luzi!
Der Titelsong zum Album, ungewohnt aber direkt und deutlich in seiner Message, genau wie man es von Metusa gewohnt ist. Nur die Zeile
„Machs wie das Niveau und stecke mir zum Tanzen einen Finger in den Po“
lässt mich Böses erahnen; hoffe, ich kann Dominik dazu in Weil am Rhein mal interviewen.

Barfuß am Strand
Ein Sommersong; zuerst mag es nicht nach Metusa klingen, doch nach einigem Malen Durchhören gewöhnt man sich daran. Ja, ich bin Gewohnheitsmensch und tue mich schwer mit Neuerungen.
Schneller Beat und Stimmung pur für die Sommerferien!

Salomon
Der Name des dritten Königs von Jerusalem, nach der Bibel datiert im 10. Jahrhundert vor Christi Geburt, bekannt als weiser und gerechter Herrscher, soweit zur Hintergrundgeschichte.
Genau so einen Salomon will die Band in diesem Song wieder auf dem Thron sehen, nachdem die Menschheit, mit dem Gutwillen der eigenen Regierungen, einiges an Schaden angerichtet hat. „Klingt ein kleines bisschen nach SaMo“, war mein erster Gedanke bei dem Lied, auch wenn ich für diese Aussage, eins auf die Mütze kriegen werde.

Alles wird still
Duett von Dominik und Alanna, ein schönes Liebeslied zum Kuscheln. Ja, mehr fällt mir dazu nicht ein, da kommt mir aber wieder Unerreichbar von Piratenseele in den Sinn.
PS: Ich mag die Graffiti-Penisse neben den Booklet-Lyrics.

Du gehst mir auf den Sack
Jetzt wird aber Gas gegeben, die Gitarre rockt von Anfang an, das Lied spricht mir aus der Seele!
Dominik findet hier die perfekten Worte für Mitläufer, Nachahmer und Leute, die einfach immer nur alles akzeptieren und mitmachen, ohne zu hinterfragen: einer der besten Songs von Dreckfresser!
„Jetzt wähl ich eine Sprache die sogar du verstehst,
ich sag dir ins Gesicht, dass du mir auf den Sack gehst!“


Halt mich fest
Weiter geht es mit der Thematik, sich selbst und sein eigener Mensch zu sein; diesmal mit Alanna als Hauptgesang.
Ziemlich anzüglicher Text hier, doch der steht der Sängerin fantastisch, die ist nämlich auch ziemlich heiss (Dafür werde ich in Weil noch auf die Schnauze kriegen… Naja sei‘s drum…).
Hört ruhig etwas näher in das Lied rein, die Referenz zu Michaela, besser bekannt als Gina Wild (musste Dominik fragen, wer damit gemeint ist…) kombiniert mit diesen Zeilen, welche den Kern des Songs bilden:
„Geil ist, dass du darauf scheisst was andere Leute sagen,
du fasst dir ein Herz und bis ganz sicher nicht allein.“


Krieger
Kämpfer, Helden, Krieger… nicht immer tragen sie Schwerter und Schilder.
Die Alltagshelden sind Krankenschwestern die trotz kargem Lohn Tag für Tag den Leidenden und Sterbenden zur Seite stehen, Feuerwehrmänner die durch Flammenhöllen gehen, um unbekannte Menschen zu retten und riskieren, selbst zu verbrennen.
Dieses Lied ist all diesen Menschen gewidmet und erhellt den Funken, dass es das Gute und die Menschlichkeit immer noch gibt; die Band hat hier wirklich die richtigen Worte gefunden.

Die die gehen
Es war live schon immer ein Fest, endlich gibt es das Lied auch auf CD!
Eines meiner Lieblingslieder der Band, ich muss nicht viel mehr dazu sagen als: Trinken wir auf die, die gegangen sind und freuen uns auf den Tag, an dem wir sie wieder treffen!
Eigentlich eine Metusa-Version von Luna Luna‘s Wenn ich tot bin, welches sie auch gerne live covern, hätte mir den vielleicht sogar als Bonus-Song auf dem Album gewünscht, Alanna bringt da mehr Gänsehaut, als die Originalstimme!
Kleine persönliche Anmerkung: Ich werde den Song in mein Testament integrieren.

Die Party
Ein Lied das mir persönlich jetzt gar nicht gefällt… Liegt es daran, dass ich lieber in Tavernen und Bars herumlümmel oder, noch besser, an Festivals?
Naja, in der Disco fühle ich mich wie ein Asylant am NPD-Parteitag, also passt mir halt auch das Lied nicht, Text sowie die Musik selbst.
Rein meine Meinung, wenn es euch gefällt wünsche ich euch viel Spass damit.

Übers Meer
Ein langsames Lied zum Schunkeln, ja, es hat fast schon Volksmusik-Stimmung. Es gib dazu auch keine Lyrics im Booklet, nur den Verweis: Für Rio Reiser, laut Wikipedia am 20.8.1996 gestorben und der Song von ihm geschrieben.
Die Seite ist geziert mit dem Metusa-Schiff und einem Rio-Graffiti.

Alles ist Dunkel
Das zweite Musikvideo der Band, genau wie das erste Nachtschwarzer Engel, macht mich ziemlich melancholisch, da es mir ziemlich aus der Seele spricht… Metusa treffen wirklich die richtigen Töne bei gewissen Themen… Zieht es euch einfach selbst rein, unten ist der YouTube-Link!


Der Mond ist aufgegangen
Ein Abschluss… Ja, unverblümt gefragt: Wird sowas jetzt zum Standard? Hurley mit „Abschiedslied“, Versengold mit „Schlaflied“…
Es ist ein schönes Lied, ja wirklich gut gesungen und zum Träumen anregend… aber nicht meines.
Wie schon erwähnt ist dieses Review meine persönliche Meinung, aber haltet euch in den Armen wenn ihr das Lied hört… Götter, ja sogar ich, werde es tun, wenn sie es live spielen.

Fazit:
Ich frage mich, ist das wirklich noch Metusa…? Ja, ist es!
Die Band hat sich verändert und dazu haben sie auch ihr gutes Recht! Sie sind nicht mehr die fröhlichen Mittelalter-Musiker, die sie einmal waren, doch das was sie machen, machen sie gut und es macht trotzdem Stimmung!
Das wichtigste aber ist, dass die Band hinter dem steht, was sie singen (wovon sich so Einige eine Scheibe abschneiden könnten) und dafür bekommen sie von mir 8/10 Dreckfresser!

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