Knut's Masters of Rock in Vizovice 28.07.2015 - von Knut van Knöterich

Geil, geiler, Masters of Rock! Ein Fest sondergleichen! Meine persönlichen Erfahrungen in Tschechien.

Das grossartige Masters of Rock Open Air fand vom 9.7.2015 bis und mit 12.7.2015 auf dem R. Jelínek Areal in Vizovice statt.

Aufgrund meines Jobs ist es mir leider nicht möglich an den vielen kleinen wie auch grossen Openairs teilzunehmen. Seit 2008 ging ich jedes Jahr ans Wacken Open Air. Dieses Jahr schafften es meine Kollegen von Hellvetia ENDLICH meinen Arsch nach Tschechien zu bewegen. Und holy balls: Ich bereute keine einzige Sekunde!

Unsere Reise startete am Dienstag Abend und zog sich durch die Nacht bis wir am Mittwoch Morgen in Vizovice ankamen. Wir wurden von unseren Freunden aus Deutschland überaus freundlich und herzlich willkommen geheissen. Der Zauber des MOR ging für mich schon am Mittwoch Abend los. Ich freundete mich mit einem Wurstfachverkäufer an und verständigte mich mit Händen und Füssen, da er leider kein Englisch und ich kein Tschechisch sprach. Nach ein paar Bierchen mit ihm war ich bereit meine Heimreise an den Campground anzutreten. In einem Land, dessen Sprache man nicht spricht und man nicht genau weiss, wohin man muss ist es ratsam, sich nicht zu verlaufen. Doch ich baute einen Phteven...
Ich nahm die falsche Abzweigung und lief in das Dorf. Meine Orientierung war nicht vorhanden und meine (gut möglichen) 2,5 Promille intus halfen mir nicht den Nachhauseweg zu finden. Angst kam auf. Paranoia machte sich breit. Was, wenn ich nie wieder zurück finde?
Zwei Polizisten kamen mir entgegen. Sie sprachen miteinander, verstummten jedoch als sie zehn Meter vor mir waren. Meine Paranoia gewann die Oberhand. Sie liefen an mir vorbei. Meine Paranoia verflüchtigte sich. Plötzlich riefen sie mir "Hey" hinterher und meine Alarmglocken klingelten ungeheuer laut! Wahrscheinlich wollten sie mich nur zurück an den Zeltplatz bringen oder mich fragen, ob ich Hilfe brauche, aber meine Assassin's Creed Instinkte schalteten sich ein und ich sprang über Zäune, kletterte Häuse hoch und hielt mich im Dunkeln auf... Soweit meine Erinnerung. Und diese Erinnerungen vermischen sich doch oftmals sehr gerne mit meiner Fantasie.
Die Hauptstrasse brachte mich dann doch zurück auf den rechten Weg. Nach einer weiteren Begegnung sowie unnötigen Flucht vor zwei Ordnungshütern, wahrscheinlich den Gleichen, ging ich zurück an meinen Zeltplatz wo mich meine Freunde bereits schon vermissten. Ich war über 5 Stunden fort...

Der Donnerstag startete für mich mit einer Kopfschmerztablette, einem kalten Bier, einem Slivovitz sowie einem Appenzeller. Gestärkt durch dieses üppige Morgenessen fingen Phip und ich an uns auf unsere Aufgaben vorzubereiten: Pressekonferenztermine bestätigen, die Kameraausrüstung checken, Bier trinken und herausfinden, wo was ist.

Die erste Station für uns hiess UDO. Im kleinen aber feinen Pressezelt sassen mehr als ein Dutzend Journalisten sowie Fotografen und es fühlte sich nicht wirklich wie eine Pressekonferenz sondern eher wie ein Gespräch unter Freunden an, die sich längere Zeit nicht gesehen haben. Das Konzert von UDO entsprach voll und ganz dem Publikum, die Metaller am MOR sind wahrlich ein Augenschmaus. Den Rest des Donnerstag Abends war ich (glaube ich) ziemlich blau. Die Erinnerungen sind verschwommen. Appenzeller über Appenzeller... We want an Appenzeller...

Freitag war ein grosser Tag für mich und Phip: Wir durften an der Pressekonferenz von Zakk Wylde teilnehmen! Mit einer Verschiebung um zwei Stunden sowie einer Verspätung von rund 20 Minuten trat Zakk in den Konferenzraum im Jelinek Store ein und bekundete uns seine Entschuldigung damit, dass er vor 10 Minuten mit seiner Hose in den Knöcheln in seinem Hotelzimmer aufgewacht ist... Dann prostete er uns zu mit einem Bier in der Hand...

Danach stand die Pressekonferenz von Hammerfall auf dem Programm. Ich für meinen Teil hatte eine schwierige, schon fast unmögliche Aufgabe vor mir: Bringe Joacim dazu, Kurtz zu beleidigen und nimm das Ganze auf Band auf!
Unmöglich? Nicht für den Bären!
"Hello Kurtz, you fucking bastard! This ist Joacim from Hammerfall, see ya."

Das Konzert von Hammerfall war zum Hammer fallen geil... Gutes Wortspiel, 10 Punkte für Gryffinknut... Ein wahres Spektakel für Aug und Ohr! Black Label Society habe ich äusserst professionell verpasst, weil der Tag doch sehr anstrengend war und ich mich lieber zuschütten wollte.

Samstag war ein wahrhaft schweizerischer Tag, denn er fing wieder mit einem Appenzeller an (we want an appenzeller...). Wir wurden an die Pressekonferenz von Krokus mit Marc Storace und Chris "Meh Dräck" von Rohr eingeladen. Leute... Das war das wahrscheinlich Geilste, was ich je gesehen habe! Chris gab Vollgas. Und wie. Meine Kollegin vom Metalhammer Ungarn lief permanent rot an wenn Chris eine Antwort gab.
Am Abend konnte dann der Mann mit seinen Jungs zeigen, was sie wirklich auf der Bühne so drauf haben. Und sie beigeisterten das tschechische Publikum ebenso wie ihre Freunde von Gotthard. Die Leute standen in einer über 400 Meter langen Schlange um Autogramme und Fotos von Gotthard und Krokus zu kriegen! Wahnsinn!

Den Abschluss des Samstags brachten die schottischen Punker von The Exploited. Eine One-Time-in-Life Möglichkeit für mich: Ein Mal im Leben in einem Exploited Moshpit zu moshen! Nach einem Song (ca. 3 Minuten) hatte ich sicherlich 5 Ellbogen im Gesicht, 1 Schlag in den Rücken sowie das gesamte Masters of Rock auf meinen Füssen... Und es fühlte sich geil an!
Ich liess den Abend mit meiner neuen Kollegin Petra auf unserem Campground bei einem Bierchen ausklingen und ging um halb 6 am Sonntag Morgen zu Bett.

Den Sonntag verbrachte ich mehrheitlich mit Dösen und vorbereiten auf die nächtliche Fahrt von rund 1000 Kilometern zurück in die Schweiz. Ein emotionaler Abschied von unseren Kollegen aus Tschechien und Deutschland markierte das Ende des Masters of Rock 2015.

Montag am Mittag sassen Raoul und ich auf seiner Terrasse in Au und genossen den Ausblick des Rheintals bei einer Tasse Kaffee.

"Czech fucking good republic", proste ich Raoul zu.
"Czech...fucking...good...republic", antwortet er mir und stiess mit mir an.

Tschechien: Du hast mein Herz erobert. Vielen herzlichen Dank für alles und wir sehen uns ganz sicher nächstes Jahr wieder!