Hedera – Itinera 05.12.2015 - von Simi Dörig

Itinera schickt uns auf eine Reise, ein Album das einem stetigen Pfad folgt… Ich habe mich auf diesen Weg begeben und versucht, dieses flüchtige Erlebnis, hier festzuhalten.

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Hedera wurden 2012 in Thun BE gegründet und spielen Folk Death Metal. Das klingt zuerst einmal komischer, als es ist, da sie den Stil von Death Metal mit weiblichem, melodischem Gesang und Violine mischen. Eigentlich also ein Melodic Death Metal, mit Folk… oder Folk Melodic Metal… Death… ach scheiss drauf, bevor es noch kompliziert wird, passt ihre Eigenbezeichnung am besten!

Das erste mal aufmerksam, wurde ich auf die Band gegen Ende 2014, als ich den Preview zu der Rauhnacht Tour im ISC Club Bern, schrieb und da habe ich mir dann auch, gleich die Demo EP Entwined, von ihnen geholt.
Auffallend an ihrer Musik, ist wie schon beschrieben, das Abwechslung zwischen Mike Brügger‘s hartem Gesang und als Kontrast oder vermischt, die ruhige Stimme von Iris Keller, die zudem mit der Violine, ein fester Bestandteil der Instrumente ist, wenn diese nicht sogar teilweise dominiert!
Die 6 Lieder (2 davon sind auch auf dem Album) dieser CD haben mir dann so gut gefallen, dass ich die Band im Auge behielt, bis dann auf den 13.11.2015, ihre Album Realise Party angekündigt wurde, wo ihr erstes Album das Licht der Welt erblickte: ITINERA!

Dieses Konzeptalbum bedeutet auf Latein „Reise“ worauf uns die Band, auch in einem kleinen Vorwort mitnehmen will.
Auf dem Cover findet sich eine junge Frau, die einen Obolus in der Hand hält, während sie an einem Fluss steht und im Hintergrund sieht man Schornsteine, schwarzen Rauch in den Himmel blasen. Das Ganze ist etwas melancholisch geraten, gibt jedoch keine weiteren Hinweise auf den Albuminhalt, auch sonst steht im Booklet nicht mehr viel im Vorwort.
Ausser, dass sie uns nicht viel mehr in die Hand geben wollen und wir diese Reise durch das Album, ohne Vorurteile, für uns selbst erleben sollen…

Goodspeed, Hedera Fall 2015

1. Harbinger of Ruin
Kurzer Anfang mit Gitarre, einzelne Drum Schläge und dann der Gesang von Iris, bis sie dann auch mit der Violine einsetzt und Mike den Gesang übernimmt, so beginnt der Vorbote des Ruins.
Das Lied handelt davon, wie ihre Heimat von der Gier und dem Profit zerstört wird, obwohl sie Arbeiten und Kämpfen, sehen sie hier keine Zukunft mehr, sofort kommen mir da die Schornsteine aus dem Cover, wieder in den Sinn.
Ihre Reise, Itinera, beginnt passend mit den letzten Zeilen des Liedes:
Whatever this journey holds, It shall not break our will
We abandon our home, uncertain times ahead


2. Moloch
Das kürzeste Lied des Albums, beginnt ohne Vorspiel gleich mit der Hölle, in die sie ihre Reise gebracht hat, merklich aggressiver wird hier der Gesang, auch die Melodie hat deutlich angezogen, nur die weibliche Stimme versucht noch mit Text und Tonlage, Hoffnung und Stärke zu symbolisieren.

3. Heirs of Sisyphos
Die Erben von Sisyphos, eine kleine Recherche hat ergeben, das damit der König von Korinth, 1400 v. Chr. gemeint ist.
Jetzt beginnt Iris, doch diesmal liegt auch bei ihre keine Hoffnung, während die Gitarre langsam mit den ersten Zeilen, mitspielt. Dieses tragische Lied, beschreibt wie sie den Acheron (Fluss der gr. Unterwelt) hinab rudern, um verdammt und zerschunden, im Hades zu enden.
Dieses Lied, das sehr an die griechischen Sagen angelehnt ist, wird passt super zum Stil der Band, ruhigerer Gesang, wechselt zu Gitarrenriffs und energischer Stimme und wieder zurück, obwohl hier die melancholischen Elemente, überlagern.

4. Deliverance
Die Erlösung beginnt noch ruhiger und langsam mit der weiblichen Stimme, eine ganze Minute lang bis dann abwechslungsweise härtere und weichere Teile kommen. Das längste Lied des Albums und die Einsicht, dass sie einen Fehler begonnen haben.
Damage is done, what have we become?

5. Charon’s Toll
Der Fährmann der Unterwelt, verlangt einen Obolus als Gebühr für die Überfahrt: Charon’s Toll, mehr dazu in Wikipedia.
Schon auf Entwined enthalten, wurde Itinera laut Mike, um genau dieses Lied aufgebaut, was sich auch im Albumcover wiederspiegelt.
Vorbei ist es mit Melancholie und Traurigkeit, ab dieser Stell drehen Gitarre und Schlagzeug auf und es regt sich der Wiederstand, was man auch deutlich hört.
Begleitet von der Violine, klingt das ganze um einiges energiegeladener als die letzten 2 Songs, doch am Schluss wird auch hier wieder, ein Verlust beklagt.
Your sacrifice, your death, my fault
Had I just listened to you and kept you safe at home


6. Guardian Angel
Das zweite Lied, dass noch von der Demo stammt. Iris übernimmt hier die Rolle des Engels, Mike würde ich eher, als verlorenen Wanderer in der Eiseinöde beschreiben.
Die Rollenverteilung ist wieder super gelungen, der Sound weder zu schnell, noch zu langsam für den Text und das lange Intro, ziemlich passend.

7. Ablaze
Einer der aggressivsten Lieder, des ganzen Albums, eben in Flammen, wird von Mike von Anfang an Gas gegeben:
Time has come, their worthless souls shall burn in hell
Doch zwischen den Zeilen voll Rachsucht und Feuer, kommt die zweite Stimme daher, um diese Kriegstreiberei zu hinterfragen. Der Text vermischt sich hier teilweise, als Vernunft durch Zorn übertönt wird, was diesen Song sowohl musikalisch, als auch ethisch zu einer Vermischung macht.
So etwas habe ich in dieser Art, noch nie gehört (gut, meistens hat meine Musik keinen Platz für Vernunft) und das ist mein kleiner Favorit der Band.

8. Loss
Wie schon angekündigt, beginnt hier der Krieg, mitten in der Schlacht, während der Kampf mit Wut in der Stimme dokumentiert wird, versucht Iris immer noch einen Ausweg zu suchen, weg von dem sicheren Tod.
Doch diese Reise endet, wie schon so viele tragische Geschichten, in der letzten Minute des Songs, während jegliche melodischen Elemente durch Gitarre und Drums vertrieben werden.
I scream, limping forward, they shall have to earn my death
A swarm of bullets shreds my body to a hundred pieces…


9. Conclusion
Der Ausklang von Itinera, obwohl fast 4min lang, mit wenig Text und nur von Mike gesungen. Ein kleines Nachwort zu der ganzen Reise… Is this the end?

Fazit:
Itinera ist ein Konzeptalbum, das eine ganze Geschichte erzählt. Angelehnt an die griechische Mythologie, sowie die Industrialisierung wird hier ein Schicksal verfolgt und jeweils von zwei Stimmen perfekt vorgetragen, ein Album das man definitiv in der Track Reihenfolge hören sollte!
Diese Mischung aus Story und Musik, bei denen die Vermischung von 2 Gesängen, Metal und Violine hervorsticht, hat von mir 8/10 Obolus verdient!

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PS: Ihr nächster Auftritt ist am Headbangersball Silvester Festival im Grafitti Bern am 31.12.15