Heavy Metal als Mittel für innere Ruhe und Glückseligkeit 03.10.2013 - von Roman Kurtz

Der Titel verspricht soviel wie Windows 7, der Text wiederum widerspiegelt eine noch langsamere Version von Vista, dennoch gute Erleuchtung.

Ich gehe morgens um 6:40 Uhr im dunkeln und bei Minustemperaturen aus dem Haus. Ich befinde mich im Kaff, in welchem ich seit meiner Geburt wohne und lebe.Als erstes den MP3 Player (Ich verzichte bewusst auf den Begriff „IPod“, da ich mich bis jetzt noch immer Erfolgreich gegen dieses Teil gewehrt habe) einschalten und in Richtung Bahnhof torkeln. Beim Player ist der Akku…

Szenario 1:

… leer. Also Kopfhörer wieder in der Kutte verstauen und erstmal genervt eine Zigarette anzünden. Am Bahnhof werde ich von denselben Idioten gegrüsst, welche ich schon zu Schulzeiten nicht ausstehen konnte. Mir bleibt nichts anderes übrig als zurück zu Grüssen mit einem leisen, desinteressierten „Sali“ erwidere ich also die Brechreiz erzeugende Begrüssung meiner „alten Freunde“.
Dies wird von einem besonders beschränkten Kerl nicht als desinteressiert aufgefasst, nein ich muss im stinkenden Katerzustand tatsächlich den Eindruck in ihm geweckt haben, ich interessiere mich für seine Probleme. Zuerst wettert er über Berufsschullehrer, dann geht’s weiter mit Vergleichen zur alten Schule (in mir meldet sich der Whisky von Gestern) und als er schliesslich den niemals enden wollenden Satz mit einem: „was meinst du?“ beendet, antworte ich dezent mit einem Whisky-Gülle-Furz der Marke Bierschiss.
Sichtlich begeistert von meiner Anteilnahme wendet sich das Objekt von mir ab.
Der Zug fährt im Bahnhof ein, natürlich schon gut voll. (Was auf mich nicht mehr zutrifft)
Ich steure in ein Abteil welches noch am meisten freie Plätze hat, erwisch dabei mit meinem Rucksack einen alten Sack, werde zusammen geschissen ob ich nicht aufpassen kann und dann erst setz ich mich, noch weiter genervt, hin.
In letzter Sekunde springt die „Ex-Freundin“ aus der Schulzeit mit ihrem aktuellen Freund in den Zug. Ich dachte ich könnt die Fahrt nach Winterthur möglichst im gleich genervten Stadium hinter mich bringen. Falsch gedacht, natürlich hockt die Olle mit ihrem HipHop Typen genau in mein Abteil. Sie grüsst scheu und fragt nach dem werten Befinden.
Ich antworte schnell und dominant: „Wie soll es mir gehen, nach dem ich dich, als ich noch mit dir zusammen war, mit einem Anderem im Bett erwischt hab, hab ich mich dem Alkohol verschrieben, dass hinterlässt auch seine Spuren.“ Den Blick richte ich weiter zum Typen und setze schnell fort: „Und wie läuft es mit ihr? Ist sie immer noch so eine Mattratze wie früher oder kann sie dir das Treu sein einfach überzeugender Vorspielen?“
Folgereaktion wäre gewesen, dass die Ex rumbrüllt und der Typ mir eine oder mehrere Verpasst. Natürlich hab ich auf ihre Frage nach dem werten Befinden mit „Mir geht’s ganz gut, dir?“ geantwortet.
Nun erwarte ich ebenfalls ein „Gut, Danke“ aber auch dass ist natürlich zu viel verlangt. Ich bekomm wieder die volle Breitseite über Probleme mit den Eltern wegen des Typen und so weiter ab. (Verwundert mich bei der Hoppervisage überhaupt nicht, aber was will man machen)
Mit Standardfloskeln versuche ich mich durchs Gespräch zu wieseln, dies gelingt soweit ganz gut und als die bescheuerte Durchsage ein „Nächster Halt, Winterthur“ verlauten lässt, verabschiede ich mich sofort und warte, bewaffnet mit Rucksack (welcher ich abermals dem selben alten Sack ans Knie schlug, Beleidigungen seinerseits konkretisiere ich nicht weiter, aber für den ÖV und am morgen Früh eindeutig zu unschön) und Zigarette vor der Türe.
Kaum ist das Loch offen quatscht mich einer an: „Sorry hesch Zigrett?“ So wie ich bin gebe ich dem gut integrierten „Landsmann“ (würg kotz) eine Zigarette. Bereits einen Schritt weiter, derselbe Typ: „Nd Füür? Mann!“ Natürlich Gas und Feuer würde ich dem gerne zur Genüge geben, aber dass nennt sich dann wohl Völkermord, ergo gibt’s ne kleine Flamme aus dem Feuerzeug und ich bewege mich weiter in Richtung Gleis 3. Abfahrtsort der mächtigen, wenn nicht schon legendären ÜBERFÜLLTEN S12.
Im Zug erkämpfe ich mir mit Hilfe des Rucksackes (der alte Sack von vorhin war zum Glück nicht mehr dabei) einen Sitzplatz. Ich lehne zurück und Versuche zu schlafen. Dies ist mir auch fast gelungen, wären beim nächsten Halt nicht gefühlte 600 Kinder in unseren Wagen gestiegen. Wenn ich etwas mehr Hasse als kleine Kinder, dann sind das viele kleine Kinder morgens im Zug. Ich bleibe optimistisch und mache das Beste aus der Situation, um noch einmal auf den Whisky-Gülle-Furz der Marke Bierschiss zu kommen, geräuschlos breitet sich rund um mich eine Giftgaswolke aus, welche Hitler als Menschenrechtfanatiker hingestellt hätte. In der S12 sind die Fluchtmöglichkeiten um diese Uhrzeit sehr begrenzt, umso mehr belustige ich mich am erlösenden Aufatmen der Passagiere beim nächsten Halt.
Nun sind es keine fünf Minuten mehr bis zum Zürcher Hauptbahnhof, das könnte ohne weiter Auswüchse von chronischer Genervtheit klappen.
Wieder Falsch, in Stadelhofen steigt eine Schrulle der Marke „Rot/Grüne Supermutter ohne Hirn“ ein und hat nichts Besseres zu tun als eine 5-Mintuen-Rot/Grün-Gehirnwäsche im Zug durchzuführen, mit Argumenten und Themen bei welchen ganz klar die Scheisse vom Papst interessanter, wichtiger und sachlich korrekter gewesen wäre.
In Zürich flüchte ich nach oben um gemütlich eine zu Rauchen und den grausamen Morgen zu verdauen, da treffe ich einen netten Landsmann, welcher mir von Winterthur irgendwie bekannt vorkam. Er kommt auf mich zu und natürlich fragt er: „Sorry hesch Zigrett?“
Kommentarlos bewege ich mich in die Beiz und sauf erst mal ein Whisky!

Szenario 2:

…voll. Ich laufe mit Gedröhne und Getose in den Ohren in den Zug, höre ausser meiner Musik überhaupt Nichts und komme mit einer inneren Ruhe und Glückseligkeit in Zürich an, wo ich mich gleich an die Arbeit mache.

Heavy Metal als Mittel für innere Ruhe und Glückseligkeit von R. Kurtz

(Ca. 2008, überarbeitet 3.10.13)