Gossenpoeten – Nah am Folk 16.07.2018 - von Simi Dörig

Du kommst zwar musizierend aus der Grosse, deine Lieder sowie dein Aussehen sind aber zu schön für Knasterbart? Dann willkommen bei den Gossenpoeten!

Album Cover

Auf dem Feuertanz Festival wanken und schwanken ja viele Gestalten auf der Burg umher:
Römer, Piraten, Einhörner, so nen dauerbreitgrinse augschburger Narr und dieses Jahr halt gefühlte Dröfl mal am Tag, ein Trio das überall auf der Burg aufgespielte um sein Kupper für die nächste Tavernenrunde aufzutreiben.

Diesen sogenannten Musiker, auch Gossenpoeten genannt, habe ich dann mal einen Silberling abgeluchst weil mich ihr Auftreten und die fröhliche Stimmungsmache schon ein wenig sehr an Sören Vogelsang erinnert hat.
Nach eigenen Angaben gab es ihre Band am Feuertanz schon ein ganzes! Jahr und sie haben dank der Resonanz des Publikums entschlossen, sich nicht aufzulösen, was mach jedoch ein wenig stutzig machte, denn innert wenigen Monaten Bandbestehen ein ganzes Album heraus zu bekommen ist schon eine Leistung.

Dass sie dies vor allem mit grosser Unterstützung hinbekommen haben, davon zeugen die Danksagungen im Album Booklet wo unter anderem Vroudenspil, Ignis Fatuu, D’Artagnan und die Pulveraffen aufgelistet sind. Ausserdem wird es schon ein wenig Einfluss und Vitamin B benötigen, wenn man Hauptmann Feuerschwanz dazu vergewohlnötigen kann, einem das Intro sowie Outro zu vertonen. Eben in jenem Intro werden die drei Gossenpoeten gleich glaubwürdig dargestellt, also Tippe ich als Einführung einfach mal frech den Text ab!

1. Es beginnt
Angefangen mit Tavernen Geräuschen und gesprochen von der sehr sexy Off-Stimme des Hauptmannes:

Einst, als die Musik in diesem Lande am Abgrund stand und die Erwartungen für neue, aufregende Lieder auf dem Grunde eines Glases versunken schienen, entschlossen sich die drei schrecklichen Gestalten aus der Gosse, das Ganze nur noch schlimmer zu machen und dem Fasse gänzlich den Boden auszuschlagen. Darian der Dichter, einst ein famoser Schüler der Schriften und adretter Geselle, tief gefallen und alles hinter sich gelassen, ist heute nur noch Klopfend und Klampfend am Strassenrand anzutreffen, um die letzten Taler für die nächste Flasche einzuspielen. Nur sein viel zu sauberes Hemd und seine frische Redensart erinnern noch an die alten Tage. Keya Vloitenspil, die schon in Kindertagen lauter Pfiff als die Nachbars Katzen schreien konnten, schafft es trotzdem, jeden Ton so falsch zu spielen wie es nur geht. Und erst der Wandervogel! Ein Säufer vor dem Herrn, der denkt, mit drei Akkorden auf der Gitarre könne man jede Rechnung bezahlen. Seine immensen Künste werden nur von seinem Geruch und seinen schäbigen Klamotten übertroffen. Gemeinsam schimpfen sie sich die „Gossenpoeten“ und tragen all die Schandtaten, die sie auf ihren Reisen vollbracht haben, jedem vor, der es nicht hören will und bleiben keiner Kneipe fern.


2. Trinklied
Gleich mit dem ersten Lied geht es fröhlich trunken los, gespielt wird bei den Gossenpoeten mit Flöte, Gitarre und Cajón und es wird erstmal kräftig auf einen gesunden Durst hingewiesen.
Öfters auf dem Feuertanz gespielt, motiviert dieses Lied schnell zum Mitsingen, Klatschen und Anstossen, wobei von diversen Getränken, Sitten und Weisheiten berichtet wird „Erst das Bier, dann der Wein, anderst herum ist das nicht so fein“

3. Nah am Folk
Noch eine Spur zackiger kommt der Namensgeber des Albums entgegen, eines der besten Lieder von ihnen und ein guter Beschrieb für die Macht der Musik, die Stimmung und Gemüt der Menschen beeinflussen kann.
So manches davon spricht mir aus der Seele, besonders gefallen hat mir diese Strophe hier:

Ob du in erster Reihe stehst oder hinten kaum die Band noch siehst, wenn du Klatschst oder Winkst oder den ganzen Text mitsingst. Geniess auf deine Weise, manchmal laut und manchmal leise, ob im Sitzen oder Stehen oder wild im Kreise drehen. Auch das Wippen mit dem Fuss, schickt der Band nen lieben Gruss, jetzt lasst uns nicht allein und stimmt mit uns ein!


4. Poetenherz
Wieder ruhiger als beim Folk wird dieses witzige Lied mit Allerley „Folksweisheiten“ gespickt und beschreibt ein wenig die Lebens-Philosophie dieser Spielleute und ist ein weiterer Muntermacher auf der Scheibe, welcher perfekt zu einer gemütlichen Lager- oder Tavernenrunde rauf und runter gespielt werden kann.

5. Das Leben von Klaus
Wer öfters ein wenig im Irish Bereich unterwegs ist, erkennt hier sofort die Melodie von The Leaving of Liverpool, dementsprechend rasant wir hier die unrühmliche Sage von Klaus erzählt.
Dieser süffige Zeitgenosse lebt quasi im Pub, ernährt sich von Bier und hat sogar ein kleines Ständchen vom Original Text dabei, während er nackig das (G)Lied schwingend vor dem Türe tanzt.
Definitiv kein Stück für kleine Kinder oder Spiesser, ich mag allerdings den Humor dahinter und hatte auch länger noch einen Ohrwurm davon.

6. Vogelfrei
Laut Beschrieb sollte dieses Lied von Darian dem Dichten… ehm Dichter handeln, ich kann leider die Stimme der zwei Sänger noch nicht definitiv einem Charakter zuordnen.
Weiter fröhlich heiter wird Besungen wie man vom Adel herab steigt um gegen die Ungerechtigkeit der Gesellschaft zu Rauben und Feiern, seit Robin Hood und Im Namen des Folkes von Versengold auch kein allzu neues Thema, dafür gut vorgetragen und auch wieder zum Mitklatschen geeignet.

7. Fernweh
Ja so heisst auch ein Album das ich kenne, wo wir wieder beim Sören vergleich wären.
Nachdem wir bis jetzt vor allem Party Songs hatten, stimmen die Gossenpoeten hier ein wenig ein Wehmütiges Lied an was eine gute Abwechslung in der Tracklist darstellt und weiter zu ernsteren Themen führt.

8. Ich denke dein
Schon mit den letzten zwei Liedern ein wenig eingeleitet folgt nun ein ernstes Lied, fast schon eine Ballade.
Eine Schnulze über eine verflossene Liebe, melancholisch alleine durch die Lande ziehend mit nur einem Bild von ihr im Kopf, ja ein wenig Kitsch dürfen sie sich auch erlauben.

9. Wikingerlied
Stimmungsvoll mit Donner und den Geräuschen einer Drakkar Landung, erklingt ein Rufhorn zum Wikingerlied!
Eigentlich müsste ich so ein Lied ja feiern, versteht mich nicht falsch, die Melodie ist mitreissend und der Text zum grössten Teil auch, allerdings stören mich ein paar Details darin.
Die Romantisierung der Wikinger Epoche ist ja überall gang und gäbe, für welche Erlösung und die neue Welt sie sich im Refrain stählen, kann ich nur vermuten, jedoch das sie dann an Ragnarök, Seite an Seite mit Loki und Thor stehen ist völliger Quatsch.
Da Loki den ganzen Mist erst los Tritt um sich an den Göttern zu rächen, steht er auf der anderen Seite des Schlachtfeldes, was für mich halt ein wenig den Eindruck vermittelt, man wollte jetzt halt einfach was über Wikinger machen, weil die immer gut ankommen, ohne sich jedoch wirklich damit zu beschäftigen.
Kann sein dass ich sowas auch einfach zu Eng sehe, da ich in der Materie so tief drin stecke wie die Axt im Mönchsschädel.

10. Matrosen Maritim geht es weiter, ich lehne mich jetzt mal weit über die Reling und behaupte, dass dieses Lied eine Anspielung auf Seemansliebe von Feuerschwanz ist, jedoch sollte ich solche Aktionen als Kiltträger auf diesem Schiff besser lassen.
Was bei jenen jedoch nur angedeutet wird, wird in diesem Lied gerade heraus gesagt, das nicht Schwul sein auf hoher See ohne Frauen gar nicht so leicht ist und irgendjemand immer die Putzfrau sein muss.
Somit nimmt das Album wieder fröhlich und nicht Jugendfrei an Fahrt auf, vor allem sollte man das Lied aber besser nicht über den Kollegenkreis hinaus laut abspielen.

11. Drachenschwingen
Jetzt gibt es etwas zum Träumen, angefangen eine Ode an die Fantasie wo man aus dem grauen Alltag entfliehen kann.
Die erste Strophe beschreibt die Handlung von Der Hobbit, während die zweite auf Game of Thrones verweist, was ich sehr gelungene Anspielungen finde.
Einfach mal zurück lehnen, die Augen schliessen und ein wenig die eigene Fantasie zu dem Song spielen lassen!

12. Reich der Nebel
Eine weitere Ballade, von der ich nicht ganz weiss was ich davon halten soll.
Lang gezogene Flöteneinlagen, fast ein Schlaflied über das entschwinden Nachts in den Nebel ohne eine Erwachen am Morgen danach.
Offiziell würde es auch einen gelungenen Abschluss für dieses Album darstellen, jedoch kommen noch 3 Tracks die auf der CD als Bonus gekennzeichnet sind.

13. Des Todes Geister (Bonus)
Gevatter Tod, Schnitter, Reaper… dieses Lied gilt dem Ende alles seins, dem grinsenden Schädel der uns im letzten Augenblick erscheint um uns zu holen.
Ich finde den Text sowie die Mischung aus fröhlicher Melodie und melancholischen Elementen genial, ausserdem habe ich eine Schwäche für Geistergeschichten.
Sein Fuss in dem Staub, vor ihm weht das Laub zur dunklen Erde hernieder…

14. Badehaus (Bonus)
Auch oft auf der Burg besungen, kam dieses Lied schon beim Publikum gut an und man hätte fast meinen können sie würden von Festival Zuber für die Werbung bezahlt.
Schelmisch, neckend und fröhlich wäre dieses Lied definitiv ein Grund sich auf einem Festival mal zu Waschen, allerdings auch wieder ab SFK18.

15. Gossenpoeten (Bonus)
Zum Abschluss wird es noch einmal fröhlich und frisch, die Band besingt sich selbst mit viel Witz und Charme.
Vor allem die Stelle wo der Wikinger den Musketier mit der Axt rasiert gefällt, zudem kommt auch die englische Stelle über die Highlands gut rüber und stellt einen passenden Abschluss des Albums da, wo die ganze Stimmung der Band nochmals eingefangen wird.
Nur das ich im Refrain immer „Wir sind Gossenpoeten, die Dichten der Strasse“, anstatt Dichter verstehe…

16. …es Endet
Gossenpoeten: „Hey Leute was macht denn der Typ hier?“ „Welcher, der da drüben?“ „Hmmm, irgendwo her kenne ich den.“
Hauptmann: „Also ich? Also ich weiss auch nicht was ich hier mache. Also heute Morgen bin ich mit einem Fass kleinem Met, ehm ich meine kleinen Met Fass losgezogen und dann bin ich hier gelandet und dann stand da ein Mikrofon auf dem Tisch und dann habe ich einfach mal ein bisschen Schlecht über euch geredet!“
GP: „Was, sag mal spinnst du oder was?!“ „Hey Moment mal, das ist doch der von Feuerschwanz“
HM: „Hey das war doch nur ein Scherz, ich hab noch nicht mal ausgetrunken…. Aaaaaaargh!“
GP: „Komm mit du verdammter Hauptmann du!“ „Jetzt wird er Kopft!“

FAZIT: Die Gossenpoeten sind wirklich Nah am Folk und bringen mit ihrem Debüt Album nicht nur geniale Party Lieder zum Mitklatschen und Singen auf die Scheibe, sondern machen auch kleinere Abstechen in ernstere Themen, was für Abwechslung sorgt.
Ihre heitere Live-Stimmung und das gute Laune Gefühl konnten sie perfekt in das Studio übertragen, was einem auch Zuhause mit Witz und Charme so manch finsteren Tag versüssen kann, wofür es von mir 8/10 Gossenrinnsteine gibt!

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