Feuerschwanz – Methämmer 17.09.2018 - von Simi Dörig

Die alteingesessene Raubritterbande um Hauptmann Feuerschwanz holt nach zwei Jahren aus zum achten, metgefüllten Hammerschlag und präsentiert ein Album, das die Geschichte ihrer süffisante Reise von mittelalterlichen in moderne Gefilde weiterführt.

Methammer

Seit 2004 taumelt also diese Mittelalter Folk Comedy Band schon durch die Marktszene, hat sich im laufe der Jahre von Prima Nocte mithilfe von Met und Miezen zu Metvernichtern herauf gespielt.
Auch ihre Wünsche brachten ihnen ein eher mässiges Wahalligalli ein, worauf sie sich dann aber wieder Auf’s Leben besonnen haben und trotz Sex is Muss Vorwürfen, ihren Kreuzzug für mehr Spass und Schabernack jetzt mit einem Methämmer bestreiten.

Vor 14 Jahren waren sie noch eine reine Marktband, dessen Grundidee von Hauptmann „Peter Henrici“ Feuerschwanz war, im guten alten Stil von J.B.O mehr Humor in die damals eher ernste Mittelalter Szene zu bringen, rein nach dem Motto als „Verteidiger des wahren Met… Blödsinns“!
Klar führt dieser Name und die Texte nicht nur zu erheiterten Gemütern und viel süffigen Frohsinn in so mancher MPS, Konzert oder Festival Runde, sondern auch zu Vorwürfen von Frauenfeindlichkeit, was sie schon einmal einen Auftritt gekostet hat.
Doch lässt sich diese Band nicht von ein paar Humorlosen bremsen, denn diese Menschen haben ein Problem: Sie müssen zum Lachen in den Keller gehn!
Zudem hat die einzige Frau der Bande, Johanna von der Vögelweide, letztens einen genialen Text auf den Vorwurf verfasst, dass sie ja nur als Tittendeko auf der Bühne stehe.
So wurde zur Antwort auf diverse Sexismus Vorwürfe gleich mit ihrem letzten Album geantwortet, denn SEX IS MUSS! (Review im Link)

Kommen wir also zur neusten Waffe im Arsenal der Bande, ein Symbol gegen Langeweile, Spiessigkeit und Nüchternheit: Der Methämmer!

1. Methämmer
Mir schallen gerade harte Gitarrenriffs um die Ohren, hab ich nicht ausversehen ne andere Platte eingeschoben?
Nein, denn diese "Dudellautensack" Band hat sich mittlerweile zu einer Wucht entwickelt, die auch auf grossen Festivalbühnen mit ihren Metal Kollegen mithalten kann.
Genau das spiegelt der Titelsong wieder und bringt gleich noch die neu gegründete Religion des Methämmers mit! Ich würde da ja sofort einsteigen, wäre ich nicht schon der drölfte Saufpostel des Heiligen Hotze.


2. Schubsetanz
Das passiert also wenn man ne Mittelalter Band seit achtzehnhundertzwölfundsiebzig (Anm. d. Red.: Anno Domini 2009) in Wacken spielen lässt:
Harter, feierbarer Feuermetalschwanz (Kopfkino ahoi) war es im Sommer auf dem MPS ein fettes Fest mit diesem Schubsetanz, für mich das Partylied sondergleichen der neuen Scheibe.


3. Die Hörner Hoch
Ehrlich gesagt gefiel mir das erste Zeichen des neuen Albums nicht gerade, mir waren die Volksmusik D’Artagnan Einflüsse von Hodi/Ben (hoffe du liest das nicht) ein wenig zu viel.
Nachdem es mich dann Live in Weil am Rhein aus den Spingerstiefeln gehauen hat, war es einfach nur episch.
Obwohl das Ganze als besoffenes "die Hörner hoch" Gröhllied gelten kann, hat der Text und die Geschichte mehr zu bieten, vor allem liebe ich den Part über Irland.


4. Lustprinzip
Die härtere Fahrt geht auch mit dem vierten Track weiter, ein Lied für die gute Stimmung und ein hang zum… ja ihr wisst wie die Band heisst.
Eigentlich das was diese Bande schon seit Jahren in Songs predigt, man solle das Leben, die Liebe und die Lust geniessen.

5. Wikingerblut
Passen zum neusten Mitstreiter, Jarne Hodinsson, unehelicher Sohn zwischen Hodi und einer Walküre und mit stolzen 7 Jahren der bassvernichtende Meter… lest am besten die offizielle Geschichte auf der Homepage nach.
Auf jeden Fall ein Lied nach meinem Geschmack, der Rhythmus würde sich locker zum Schnellgang-Rudern benutzen lassen und der Text wechselt zwischen harten Passagen und typischen, humorvollen Anspielungen.

Ich brauch echte Kerle zur Kaperfahrt. Doch kein Jan weit und breit, weder Klaas noch Pit.
Nur Hipster mit Bärten – da fahr ich nicht mit!

6. Kinder im Geiste
Nach dieser ganzen Party jetzt einmal ein ruhigeres Stück vom Hauptmann vorgetragen, denn so wie man Feiern kann, lädt die Bande auch öfters mal ein wenig zum Träumen ein.
Zwar noch immer mit einer Resthärte, wird hier das Tempo ein wenig gedrosselt und textlich kann sich der eine oder andere bestimmt damit identifizieren.
Es geht um das ewige Kind in unserem Geiste, das wir uns hoffentlich bewahrt haben, auch wenn unser Fleisch schon lange zu lasterhaften Sündern geworden ist.

Darum wahr‘ ich mir mein kindlich Lachen. Weitermachen, weitermachen!
Das Leben ist kein Freudenhaus, doch wir machen das Beste draus.

7. Oh Fortuna
Oh wieder einmal ein Liebeslied, deswegen nochmals ein wenig langsamer und melodiöser als die letzten Songs.
Instrumental wird wieder mehr auf Mittelalter als Metal gelegt, denn die Brautschau war der Bande ja schon immer wichtig! Doch auch ihnen ist Fortuna nicht immer hold, so endet das ganze wieder einmal mit einem Krug anstatt ner Frau.
Mal ehrlich, warum Enden die meisten Lovestorys von Feuerschwanz im Suff bzw. warum kommt mir das nur so bekannt vor?

8. Prinzessin
Ach hat es also doch geklappt, leider hat sich hier der gute Hauptmann im Suff keine Räubertochter sondern eine Märchenprinzessin geangelt.
Anm. d. Red: Die verwöhnten Märchen Göhren, nicht die historischen die nur als Ehebündins Gebärmaschinen dienten.
Zurück zum Lied das musikalisch sowie rhythmisch Ohrwurm Potenzial hat, vor allem die späteren „Prinzessin“ und „Heyheyhey“ Zwischenrufe geben dem Ganzen eine richtige Fahrt, während es Textlich ein wenig an Genoveva erinnert.

9. Der Geschichte Pfade
Es wurde ja mittlerweile Tradition auch einen ernsten Song in das Album zu packen, diesmal mit einem melancholischen Anti-Kriegslied.
Wird man sich in der Geschichte auch an all die kleinen Ritter und Soldaten erinnern, die unbesungen auf dem Schlachtfeld verendet sind und nur als Fussnote der Verlustzahlen in den Geschichtsbüchern verstauben werden?
Ein ungewohntes Thema von Feuerschwanz, doch genauso Ausdrucksstark wie 1916 von Motörhead oder The Price of a Mile von Sabaton.

10. Krieger des Mets - die Trilogie; op. 1: Von Göttern und Drache
Schön das nach 7 Jahren bzw. Wunsch ist Wunsch wieder einmal eine Geschichte in das Album genommen wird.
Diese hier dient als Auftakt für den Krieg der Götter und ihr Drachenheer gegen die frevelhaften Menschen, wie auch als Intro des nächsten Liedes.

11. Operation Drachensturm
Dieser Song kann mich jetzt ehrlich gesagt nicht so überzeugen, der Kampf zwischen Drachen und Menschen wird hier zwar der folgenden Geschichte den Weg freigebrannt, doch reissen mich weder Text noch die härteren Gitarrenklänge sonderlich mit.

12. Krieger des Mets - die Trilogie; op. 2: Die Prophezeiung
Ein Auszug aus den Chroniken der Metkriege, von Dr. H. Odenherz der die Prophezeiung des Kriegers des Mets vorliest.

13. Ein Held is gebor’n
Eine mittelalterlich gespielte Ballade, wie aus der Asche und einer Träne der Götter, im Vulkan der Krieger des Mets geboren wird.
Was als Klagelied begann, wandelt sich von Zeile zu Zeile in ein episches Lied der Hoffnung und Lobpreisung ihres neuen Helden und mündet schlussendlich in einem Instrumentalpart, der die Melodie von Krieger des Mets aus dem letzten Album spielt.

14. Krieger des Mets - die Trilogie; op. 3: Der heilige Eid
Mehr Vorgesungen als Vorgetragen, läutet dieser Eidschwur das Finale der Trilogie ein.

15. Liga des Mets
Der gebührende Abschluss der Trilogie mit der Liga des Mets, einer Heldenhymne zum Mitsingen und Anstossen.
Sowohl Hauptmann und Hodi als Sänger, sowie Metal und Mittelalter Einflüsse wechseln sich hier ab und fassen das ganze Album so Musikalisch noch einmal zusammen.

Fazit:
Faster, Harder, Louder könnte das Motto der neusten Feuerscheibe sein und das in mehr als einem Kontext, ein Schelm wer jetzt Böses denkt.
Gepaart mit dem gewohnt witzig, süffisanten Schwanzhumor, festigt die Raubritterbande ihre Festung des Mittelalterhumors, die mit neuen Metal-Klängen ohne Probleme auch grosse Festivals zum Feiern und Saufen bringen kann.
Für dieses neuerliche Meisterwerk gibt es von mir 9/10 Methämmer!

PS: Der METHÄMMER schlägt am 1. Dezember im legendären Z7 in Pratteln ein!


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