Earth Ship - Hollowed 02.11.2016 - von Julian

Wenn sich die Leere in einem ausbreitet und man beginnt sie zu geniessen...

Für mich als Doom / Stoner Metal Fan ist die Band zumindest dem Namen nach ein Begriff (ich meinte ich hatte mal auf einer einschlägigen Videoplattform ein Album gefunden). Klar, denn Earth Ship können richtig was. Das sah wohl auch der Artist Manager von Napalm Records so, denn bei denen ist das neueste Album «Hollow» erschienen. Hier wie üblich eine kleine Auswahl meiner persönlichen Songhighlights:


Der erste Song auf einem Album gibt ja bekanntlich den Takt an. Es ist sozusagen die Visitenkarte – der erste Eindruck beim ersten Date. Und tatsächlich ist dieser mit Reduced to Ashes sehr positiv. Die Riffs könnten aus dem Lehrbuch stammen und überzeugen auf der ganzen Linie. Auch der Drumbeat hat etwas erfrischend reines und ist technisch hervorragend eingespielt. Herausragend finde ich den Einsatz von unterschiedlichen Gesangsspuren, die sich meiner Meinung nach besser ergänzen, als man das von anderen Bands mit mehrspurigem Gesang gewöhnt ist. Im Gesang findet so auch die spezielle Gratwanderung zwischen Doom Metal und Stoner Rock statt, die sich durch alle Songs der Platte zieht und die Band definiert.

Der Titelsong Hollowed erinnert mich spontan an Alice in Chains, nur schärfer mit Distortion und technischer Finesse gewürzt. Musikalisch und technisch überzeugt der Track auf der ganzen Linie und könnte tatsächlich der Feder von Jerry Cantrell entstammen. Interessant finde ich das Spiel der Band mit Dynamik und Spannung, denn nach einem Nackenbrecher-Riff schwingt der Song tatsächlich auch gesanglich in die Metal Schiene. Hut ab für den Mut und die Kreativität, die das Songwriting erfahren durften.

Mit Conjured wird’s richtig düster und richtig doomig. So mag ich das besonders gerne. Das Riff schleppt sich mit gewaltiger Schwermut durch den Klangteppich und sofort wippt mein Fuss mit. Der Song ist eine Wucht! Als Jan Obergs Stimme wieder zu der wabernden Schwermut stösst, fühlt man sich unweigerlich in die Grunge Zeit versetzt. Und das ist ein Kompliment an den talentierten Sänger.

In The Arms Of Medusa markiert eine gänzliche andere Facette von Earth Ship. Vermutlich handelt es sich um die Spielwiese und die bislang eher stonerlastigen Songs tendieren nun eher in die Metalrichtung. Hier geht richtig Tempo.

Fazit

Diese Berliner haben unheimliches Talent. Das gilt für die Technik genauso wie für das herausragende Songwriting. Das erfrischend intelligente Spiel mit der Dynamik ihrer Songs könnte für manche Szenegrösse eine Inspiration darstellen. Für meinen Geschmack dürften die Lieder aber etwas länger sein, damit die verschiedenen Teile in ihrer Komplexität wirken können. So empfinde ich manche Parts als zu kurz und irgendwie hektisch. Das Album ist ein absoluter Kauftipp! Hut ab.

8/10 Berliner


Die Musik gibt’s zum Beispiel bei Napalm Records.