Ahab - The Boats Of The Glenn Carrig 18.09.2015 - von Julian

Nautic Funeral Doom Metal in den Charts? Kann das funktionieren? Oh ja!

Zugegeben, ich freue mich schon seit geraumer Zeit auf „The Boats Of The Glenn Carrig“ – nicht zuletzt, weil Ahab meine Lieblingsband ist. Nach „The Call of the Wretched Sea“, „The Divinity of Oceans“ und „The Giant“ (meinem persönlichen Lieblingsalbum) bringen die deutschen Funeral Doom Metal Kapitäne nun das vierte offizielle Album heraus. Ganz in typischer Ahab Manier werden Seefahrergeschichten zu einem Konzeptalbum verarbeitet. Diesmal trifft es William Hope Hodgesons ersten Roman "Die Boote der Glenn Carrig". Was man erwarten kann lest ihr in den folgenden Absätzen.

Vorweg: (Funeral) Doom Metal erfreut sich selbst innerhalb der Metal-Szene keiner besonders grossen Berühmtheit. Das hat auch seinen Grund: Statt purer musikalischer Härte oder besonders ausgereiften Soli ist hier Melancholie und Langsamkeit angesagt. Die Musik braucht Zeit und wird sich dem „unerfahrenen“ Zuhörer mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht auf Anhieb komplett erschliessen.

Praktisch von Anfang an dominieren in diesem Album die Gegensätze – zum einen die klagende, seelenraubende, klare Stimme von Daniel Droste (der sich meines Erachtens erneut stimmlich steigern konnte) und zum anderen dessen ultratiefe Growls, die klingen, wie ein Zusammentreffen mit einem Pottwal in der Tiefsee sich anfühlen muss: Böse – fast schon surreal tief, aber perfekt in das musikalische Donnerwetter integriert.

Von den ersten Sekunden an baut sich eine ungeheure Atomsphäre im Zuhörer auf, die jedoch im Laufe des Albums etwas abnimmt. Dafür ist eine weitere Entwicklung bei Ahab zu spüren. Die im Vorgängeralbum „The Giant“ erzeugten Emotionen werden in „The Boats Of The Glenn Carrig“ detaillierter ausgeschmückt – es gibt bei jedem weiteren Durchhören Neues zu entdecken.

Vor Allem „Like Red Foam“ wagt sich allerdings weit heraus aus dem musikalischen Stammgebiet von Ahab und möchte für mich nicht so ganz zur Band passen. Doch hiermit kann ich mich abfinden, denn für nicht-Doom Metal Fans könnte dieses Lied die Türe zur musikalischen langen Weile (bewusst nicht Langeweile!!!) öffnen.

Fazit:

Für mich ist „The Boats Of The Glenn Carrig“ ein wunderschön atmosphärisches, düsteres und ausgereiftes Album und einer der musikalischen Höhepunkte des Jahres. Die Fans der „Alten Schule“, die sich wieder typischen Funeral Doom à la „The Hunt“ wünschen, kommen vermutlich nur bedingt auf ihre Kosten, denn erneut hat eine musikalische Evolution den Stil von Ahab breiter gefächert und fast schon verspielt werden lassen. Für mich (und vermutlich die meisten Anderen) ist dieses Album dennoch ein Tipp, weil Ahab machen, was sie gut können. Die Band reitet auf einer (in Doom Metal Verhältnissen) riesigen Erfolgswelle und das völlig zu Recht. Weiter so!

Das Album war in KW 36/2015 auf Platz 79 der deutschen Albumcharts zu finden.

Homepage der Band

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